Noch ganz frisch ist mein Eindruck von der WoMenCONNEX 2014. Ein Tag als Exot – als Mann – auf einer frauendominierten Veranstaltung. Der Kongress hat als Fokus die Arbeitswelt der Zukunft mit den Themenschwerpunkten Diversität und Gender. Daraus wird ein Treffen von Powerfrauen – ich bewege mich unter rund 350 Frauen und 6 Männern. Wo haben sich die Herren denn wohl alle versteckt? Und weshalb?
Der Tag ist geprägt von vielen interessanten Begegnungen, Themen und Diskussionen. Ein wertiges Wohlfühl-Umfeld haben die Veranstalter und Mitarbeiterinnen der Messe Karlsruhe geschaffen. Gleichzeitig habe ich den deutlichen Eindruck, es werden vor allem Standpunkte und Unterschiede polarisiert. Wo bleibt da in der Diversität und Vielfalt die Energie zur Verbindung?
Bereits die morgendliche Anmeldung hatte ihren ganz eigenen Charme. Es brauchte einige Versuche, mehrere Messemitarbeiter und viel Geduld, dem EDV-System ein Namensschild zu entlocken, das mich als Mann anerkennt.
Im Tagesverlauf wird mir immer mehr deutlich, wie wichtig Sprache zur Verbindung für uns ist. Selten habe ich mich auf der Sprechebene so massiv ausgeschlossen gefühlt. Immer wieder konnte ich hören: „…Gender…geht mindestens die Hälfte…der Menschen an…“ oder „…wir…Frauen…“.
Deutlich habe ich gespürt: Damit bin ich – als Mann – nicht gemeint! Willkommen sein oder der Wunsch nach Verbindung entsteht so nicht. Empfinden dies Frauen, z. B. Ingenieurinnen in einem männerdominierten Umfeld ähnlich?
Eingeladen waren Elke-Maria Rosenbusch und ich als Workshop-Referenten mit unserem Thema „Mixed Leadership ganz praktisch! Weibliche und Männliche Qualitäten in der Führung verbinden“. Ich war und bin ganz glücklich gemeinsam mit einer Frau und Freundin auf der Bühne zu stehen. Für uns beide geht es bei Diversity und Gender nicht um die Reproduktion von Gleichartigkeit, sondern vielmehr um die Wertschätzung des Unterschieds. Verschieden zu sein ist kein Makel, sondern ein Geschenk.
Wir brauchen in der Führung die Verbindung von Andersartigkeit statt dem Polarisieren von Unterschieden! Ein Patentrezept dafür haben auch wir nicht. Doch wir arbeiten mit individuellen Methoden an persönlicher Haltung und Bewusstsein. Die Verbindung beginnt bei jedem Einzelnen von uns in der wertschätzenden Auseinandersetzung mit Andersartigkeit und mit achtsamer Selbstführung. Ein konkretes Beispiel dafür bekommen wir in der Feedbackrunde von einer Teilnehmerin zu hören, als sie formuliert: „Ich nehme aus diesem Workshop auch mit, die Männer im Unternehmen mehr einzubeziehen, alle werden hier gebraucht“. JA!
Das ist für mich als (mit-) Gestalterin der WoMenCONNEX eine wichtige Rückmeldung aus männlicher Sicht und ich kann das alles eigentlich nur unterstreichen. Vielen Dank! Die Frage ist wie finden wir die Männer, die an Haltung und Bewusstsein und an der Wertschätzung von Unterschieden bewusst arbeiten wollen und das im Dialog auch im Rahmen dieser Veranstaltung.
Ich lerne daraus, dass wir noch stärker auf die Ansprache von Teilnehmerinnen und Teilnehmern achten müssen und sich das auch in der Auswahl der Programmpunkte widerspiegelt.
Liebe Fr. Boss, herzlichen Dank für Ihr Feedback. Da sind wir ja gar nicht sooo verschieden.
Ich glaube, dass es darum geht Menschen beiderlei Geschlechts zu finden, die an einer solchen Haltung zu arbeiten bereit sind. Dies im Bewusstsein, dass diese Arbeit bei mir selbst beginnt und dann in die Beziehung geht.
Vielleicht können wir Frauen und Männer dazu auch gemeinsam begeistern?