Wenn ich aktuell mit Geschäftsführern und IT-Verantwortlichen im Mittelstand spreche, höre ich dazu immer wieder:
„Wir nutzen schon ChatGPT oder Copilot. Wozu brauchen wir noch eine Plattform?“
Das ist eine berechtigte Frage. Und genau hier beginnt der Unterschied.
1. Einzelnes Tool oder strategische Lösung
Einzelne KI-Tools sind wie gute Werkzeuge aus dem Baumarkt. Schnell gekauft, schnell eingesetzt und oft sehr beeindruckend.
Aber sobald mehrere Abteilungen unterschiedliche Modelle nutzen, wird es unübersichtlich:
- Marketing nutzt ein Modell für Texte und Bilder
- Entwicklung testet ein Coding-Modell
- Vertrieb probiert ein Research-Tool
- HR arbeitet mit einem separaten Account
Plötzlich entstehen:
- Mehrfachkosten
- unterschiedliche Ergebnisse
- Zusatzaufwand durch fehlende zentrale Steuerung
- im schlimmsten Fall eine Schatten-KI
Eine deutsche KI-Plattform bündelt das. Sie wird zum zentralen Zugangspunkt für verschiedene LLMs mit einer Oberfläche, einer Benutzerverwaltung und einer Governance.
Das ist kein „Nice to have“. Das ist Organisations-Hygiene.
2. Oft günstiger als gedacht
Viele Unternehmen zahlen heute pro Nutzer rund 20 € pro Monat und das pro Anbieter.
Zwei Modelle? 40 €. Drei? 60 €.
Plattformlösungen liegen im Bereich von 25-30 € pro Nutzer und bieten Zugriff auf mehrere spezialisierte Modelle für Text, Bild, Code, Transkription oder Research. Sie bezahlen also deutlich weniger, nutzen immer das bestmögliche LLM und vermeiden Wildwuchs.
3. Compliance ist ein Wettbewerbsvorteil
Gerade für deutsche Mittelständler ist das Thema Datenschutz und Regulierung kein Randthema. Plattformen mit Rechenzentren in Deutschland oder Europa berücksichtigen Normen wie DSGVO, EU AI Act, ISO/IEC 27001 oder auch DORA (je nach Branche)
Wichtig sind dabei zwei Punkte, die manchmal übersehen werden:
Unternehmensdaten werden nicht für das Training öffentlicher Modelle genutzt. Sie bleiben ggf. vom Modell komplett getrennt. Und vom Einsatz als SaaS über Private Cloud bis zu On Premise sind verschiedene Einsatzszenarien möglich.
Das schafft intern wie extern Sicherheit gegenüber Kunden.
4. Integration statt Insellösung
Eine hochwertige Plattform lässt sich in bestehende Systeme integrieren. So ist z.B. die Anbindung von Systemen wie Active Directory, Azure, Sharepoint, Outlook, Teams und auch ERP-, DMS- oder CRM-Systeme möglich.
Das erleichtert in einem deutlichen Maß die regelmäßigen Arbeiten im Rahmen der
- Provisionierung
- Nutzer-, Gruppen-, Rechteverwaltung
- Loginprozeduren, Single Sign-On
- Nutzungshistorie
- Datenpflege und -normalisierung
All das schafft Akzeptanz in der IT und bei den Endnutzern. Und gerade diese Akzeptanz ist oft wichtiger als Technologie.
5. Multi-LLM statt Monopol
Warum nur ein Modell nutzen, wenn es für jede Aufgabe ein besser geeignetes gibt?
- Ein Modell ist stark im Coding
- Ein anderes im kreativen Text oder in der Bildgestaltung
- Ein drittes im analytischen Denken
Eine KI-Plattform schafft strategische Freiheit. Sie machen sich nicht abhängig von einem einzelnen Anbieter; meistens aus den USA. Das reduziert das Risiko und stärkt ihre Handlungsfähigkeit.
6. Zukunftssicherheit für den Mittelstand
Viele Plattformen bieten bereits integrierte Funktionen für die Umsetzung von Agenten, Workflows oder Assistenten. Auch werden Standardprotokolle wie API, SDK und MCP zur Anbindung an ERP, CRM, DMS, etc. meist berücksichtigt.
Ebenso wichtig: Auch die Umsetzung von RAG-Systemen mit Vektor-Datenbanken um Unternehmenswissen zu sichern ist möglich.
Das bedeutet für sie:
Sie starten mit Chat und KI im Dialog und schaffen die Grundlage für KI-Automatisierung. Und das Schritt für Schritt, projektbezogen und kontrolliert.
7. Ein europäischer Gedanke
Für mich spielt auch die wirtschaftliche Perspektive eine Rolle. Eine europäische Lösung stärkt unseren Wirtschaftsraum. Sie schafft technologische Kompetenz vor Ort und sie reduziert einseitige Abhängigkeiten. Das ist kein Idealismus. Für mich ist das strategisches Denken.
Mein Fazit
Für ein kleines Team mit sehr wenigen Nutzern mag ein Direktzugang zu einem Modell ausreichen. Für einen Mittelständler mit 30, 100 oder 250 Nutzern wird KI jedoch schnell zu einer organisatorischen Frage und nicht nur zu einer technischen.
Eine deutsche KI-Plattform bedeutet:
- Struktur statt Wildwuchs
- Governance statt Risiko
- Multi-Modell statt Abhängigkeit
- Integration statt Insel
- Strategie statt Experiment
KI gehört heute in die Geschäftsführung.
Genau dort beginnt die Entscheidung für eine Plattform.
