Der ausnahmsweise deutschlandweite Reformationstag und anschließende katholische Feiertag zu Allerheiligen hat mich dazu gebracht, über Kirche und Gemeinschaft nachzudenken. Unabhängig davon, wie verschieden und ähnlich sie sind.

Ich selbst wurde in eine bayerische, katholische Familie hineingeboren. Was bei den väterlichen Großeltern noch streng, dunkel und eng in meiner Erinnerung geblieben ist, wurde in meiner Ursprungsfamilie leichter. Aus meiner Kinderzeit als Ministrant und Familien-Kirchgänger erinnere ich noch ein Erlebnis im Rahmen einer sonntäglichen Messe: Die Kirche war voll und die Schlangen zum Empfang der Eucharistie waren lang. Mein Vater wartete vor mir, als ihn unser Stadtpfarrer plötzlich beiseite nahm, ihm einen Kelch in die Hand drückte und bat zu helfen. Wow, plötzlich spendete mein Vater ganz selbstverständlich ein Sakrament. Wie war das möglich? Verstiess das nicht gegen katholische Regeln?

Jahre später durfte ich wieder etwas Besonderes erleben, diesmal in einem evangelischen Gottesdienst: Immer wieder „störte“ ein Kleinkind. Ich konnte deutlich sehen, wie peinlich der Mutter die Situation war, ihre kleine Tochter nicht zur Ruhe bringen zu können. Die strafenden Blicke einiger Umstehenden flogen wie Pfeile durch den Raum. Die Frau stand kurz davor, die Kirche zu verlassen. Da unterbrach der Pfarrer den Ablauf mit den Worten „Lasst uns besonders dankbar sein für die ganz jungen Menschen, die hierher kommen. Sie sind die Zukunft unserer Gemeinde“. Mit einem Satz war die Mutter gestärkt, andere peinlich berührt und das Klima hatte sich deutlich beruhigt. Beeindruckend!

Was als Vorbilder bleibt, sind solche sichtbaren, ganz praktische Aktionen einzelner Personen. Persönliche und mutige Entscheidungen eines Menschen für die eigene und klare Position zur Gemeinschaft. Entscheidungen sind Chancen das Eigene sichtbar werden zu lassen. Klick um zu TweetenAn welcher Ecke wartet wohl die nächste Entscheidung auf mich? Und für Sie?